Wladiwostok. Die andere Seite Russlands

Das Wichtigste, was der Russe über Wladiwostok weiß, ist, dass es weit weg ist. Unglaublich weit weg: 10.000 Kilometer auf der Straße, 7 Stunden im Flugzeug oder 7 Tage mit dem Zug. Aber am Ende der Transsibirischen Eisenbahn trifft man auf einen Bahnhof aus dem Anfang des XX. Jahrhunderts, fast so wie in Moskau. Wladiwostok, spektakulär auf Hügeln und abgelegenen Buchten gelegen, ist die andere Seite Russlands, das Tor zum Pazifik.
Фото 1
Фото 2
In der Vergangenheit waren die Herrscher des Ussurischen Landes die mandschurischen Nomaden, aus denen die Qing-Dynastie, die China im XVII.-XIX. Jahrhundert regierte, hervorging. Hier befand sich die Peripherie ihres Besitztums, und im Jahre 1850 hat China Russland das Gelände hinter Amur und Ussuri überlassen. Nikolai Murawjow, der Gouverneur, der die neuen Besitztümer besuchte, fand eine so günstige Bucht an der Küste des Japanischen Meeres, dass er ausrief: «Von hier aus den Osten beherrschen!» Die Chinesen nannten diese Bucht Hajschenwej («Seegurkenbucht»), die Russen nannten sie das Goldene Horn, die nahe gelegene Meerenge wurde zum Bosporus des Ostens, und an ihren Ufern begann man, die Stadt zu bauen. Wladiwostok blieb zunächst ein kleiner, zur Hälfte militärischer, Hafen. Aus Russland kam man über Odessa hierher, woran noch heute die Fülle der ukrainischen Namen in der Stadt erinnert. Die Transsibirische Eisenbahn brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung und in wenigen Jahren das Fünffache Wachstum der Bevölkerung. Die zentralen Straßen — Swetlanskaja, Aleutskaja, Okeanskij Prospekt — erinnern an die üppige Kolonialarchitektur der Jahrhundertwende vom XIX. zum XX. Jahrhundert. Die luxuriösesten Häuser sind mit den Namen deutscher Geschäftsleute verbunden, in denen Jul Brynner — später ein Hollywood-Star — geboren wurde. Amerikaner und Polen blieben nicht hinter den Deutschen zurück, und so waren die Türme der lutherischen und katholischen Kirche in der Stadtlandschaft spürbar.
Фото 3
Die kleinen und mittleren Unternehmen der «Stadt Uradsi» wurden von den Japanern geführt, die in den geschlossenen Vierteln von «Monnaj» lebten. Düstere Arbeit und kleiner Handel blieben den Chinesen, für die als Unterschlupf das nach Opium duftende Millionka diente. Von dort stammende Banditen waren am Schicksal Chinas in den Turbulenzen der 1920er und 30er Jahre beteiligt. Stalin hat die Chinesen aus Wladiwostok vertrieben, aber die dunklen Höfe von Millionka mit den eisernen Brückchen auf verschiedenen Ebenen sind noch immer beeindruckend.
Фото 4
Фото 5
All dies wurde von der mächtigsten Festung der Welt mit Dutzenden von Forts und Befestigungen auf den Inseln und Hügeln bewacht, die nach dem verlorenen russisch-japanischen Krieg errichtet wurde. Heutzutage sind die meisten seiner Objekte verlassen, und nur wenige sind zu Museen geworden. In der Geschichte von Wladiwostok gab es keine großen Schlachten, aber die Stadt ist vom Geist der Marine durchdrungen, und direkt am Kai sieht man die beeindruckenden Schiffe der Pazifischen Flotte Russlands.
Фото 6
Фото 7
Riesige Schrägseilbrücken, die 2012 für den APEC-Gipfel gebaut wurden, sind zu einem neuen Symbol für Wladiwostok geworden. Die Goldene Brücke über das Goldene Horn hängt über dem Stadtzentrum, und die weltgrößte Brücke ihrer Art, die Russische Brücke, führt zur Insel Russki. In den letzten hundert Jahren war sie eine Militärbasis, aber heute ist sie als Campus der Fernöstlichen Bundesuniversität bekannt.
Фото 8
Weiter liegt ein ganzer Archipel von bewohnten und unbewohnten Inseln mit sauberen Stränden und dichten Wäldern. Die exotische Natur vom Ussuri-Gebiet kommt Wladiwostok sehr nahe. Ihr wichtigster Erforscher war der Wissenschaftler und Schriftsteller Wladimir Arsenjew, der Autor des Romans «Dersu Usala», der später von Akira Kurosawa verfilmt wurde. Den Namen Arsenjews trägt das Stadtmuseum, eines der größten und modernsten Museen Russlands.
фото 9
In der ussurischen Taiga trifft Sibirien auf Indochina, Birken sind mit Lianen verschlungen, es gibt Tiger, Leoparden und Himalaya-Bären. Die Tiere des Ussuri-Gebiets können in einem Safaripark in Schkotowo beobachtet werden, und zur Fauna des Japanischen Meeres lohnt sich ein Besuch im Ozeanarium auf der Insel Russki... und der zahlreichen Restaurants. Die chinesische Küche ist bei den Wladiwostokern nicht minder beliebt, viele Menschen fahren zum Einkaufen nach China und Südkorea, und lokale Autofahrer bevorzugen Gebrauchtwagen aus Japan mit Rechtslenkung. Auf dem Breitengrad des Kaukasus und dem Längengrad von Kolyma schaut «Wladik» auf die aufgehende Sonne Asiens.
Фото 10
Verwandte Reisen
Transsib: Moskau-Wladiwostok
Transsib: Moskau-Wladiwostok
  • 16 Tage
  • ca. 2500 €
  • das ganze Jahr über

Andere Artikel

Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Reiserouten und teilen nützliche Ideen. Lassen Sie sich von uns inspirieren.