Ulan-Ude. Wind der Großen Steppe

Nach Irkutsk, jenseits des Baikalsees, fährt die Transsibirische Eisenbahn in die nächste größere Stadt — Ulan-Ude am Fluss Selenga gelegen. Von hier aus führt ein direkter Weg nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, und der Gleichklang der Namen ist kein Zufall.

Im XVII. Jahrhundert trafen am Baikalsee russische Kosaken auf Mongolen. Keineswegs wie eine furchterregende Horde des Mittelalters, zu dieser Zeit waren sie eine Gruppe kleiner Stämme. Die Bezeichnung einer von ihnen — die Burjaten — wurde allen Mongolen zugewiesen, die damals russischer Zugehörigkeit waren. Mongolen und Burjaten sind heute die engsten Verwandten, ihre Sprachen sind gegenseitig verständlich, und auch beide Völker können Dschingis Khan als einen der Ihrigen bezeichnen — sein Heimattal liegt direkt an der russisch-mongolischen Grenze.
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Ulan-Ude wurde Ende des XVII. Jahrhunderts gegründet und hieß ursprünglich Werchneudinsk. Von einem Posten der Kosaken entwickelte sie sich schnell zu einer reichen Handelsstadt, da die Große Teestraße (der Sibirische Trakt) aus China in Russland sehr nah daran vorbei führte. Die schneeweiße Kirche im sibirischen Barockstil, das riesige Gostiny Dwor im Petersburger Stil und die in den Niederungen nahe des Flusses Uda gelegenen Stein- und Holzhäuser aus der Zeit der Wende des XIX. zum XX. Jahrhunderts, erinnern an den vergangenen Reichtum. Nachdem Ulan-Ude unter den Sowjets den heutigen Namen erhalten hatte, wurde es zum Zentrum von Burjatien — einer der nationalen autonomen Regionen Russlands. Die Kommunisten zerstörten die meisten buddhistischen Klöster, betonten aber in jeder Hinsicht die nationale Identität der Burjaten. Ein offensichtliches Denkmal dafür ist die riesige Burjatische Oper, in deren Architektur «Stalins Empire-Stil» überraschend mit lokalen Volksmotiven verflochten ist. Das Theater wird von einem Kopf betrachtet, dem vielleicht merkwürdigsten Denkmal Lenins: In der Mitte des Platzes ragt eine riesige (7,5 Meter ohne Sockel) Büste aus dem Asphalt heraus. Ein beliebter Treffpunkt in Ulan-Ude ist «am rechten (oder linken) Ohr».
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Am Rande von Ulan-Ude gibt es mehrere buddhistische Tempel, in der Stadtmitte kann man Pferdedenkmäler für die Helden und aus Heldenerzählungen sehen. Aber der aktuellste burjatische Trend sind die Posnye. Dies sind kleine Gaststätten, in denen Sie Buuds (Buus) serviert bekommen — lokale Knödel (Pelmeni), riesig und mit einem Loch in der Oberseite, aus dem Sie Brühe wie aus einer Schüssel trinken können.
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Die Natur Burjatiens mit dem Wechsel von Steppen und Taiga-Bergen ist märchenhaft schön. Besonderheit — die Ufer des Baikalsees sind auf dieser Seite wilder und felsiger und es ist gleichzeitig wärmer als auf der Seite von Irkutsk.
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Es gibt viele antike Siedlungen, Grabhügel, Petroglyphen. Auf den Pässen und Kreuzungen befinden sich die Altäre für die Geister der Straßen, wo Reisende Geschenke wie kleine Stoffläppchen oder Zigaretten hinterlassen.
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Der Schamanismus versteht sich mit dem Buddhismus — direkt neben Ulan-Ude befindet sich Iwolginski Dazan, das wichtigste buddhistische Kloster in Russland, das der Dalai Lama schon oft besucht hat. Der lokale Heilige Daschi-Dorscho Itigelow ging vor hundert Jahren ins Nirwana, und man sieht ihn immer noch bewegungslos in einem der Tempel sitzen. Das Kloster selbst wurde während der Sowjetzeit gebaut, als den Burjaten nach langer Zeit der Verfolgung erlaubt wurde, eine Religionsgemeinschaft wieder aufzubauen.
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Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden auch mehrere alte Dazane wiederbelebt — zum Beispiel in Gussinoosjorsk oder Aginskoje.

Auch andere Völker leben in Burjatien. Einschließlich der «Semejskije» (die Familiären) — eine russische altorthodoxe Glaubensgemeinschaft, die das Kirchenschisma nicht annahmen und als ganze Familien, und nicht immer aus eigenem Willen, nach Sibirien gingen. Sie sind die Wächter der alten Rus, und an der Form ihrer Dörfer hat sich nicht vieles seit dem XVI.-XVII. Jahrhundert verändert. In den weiter abgelegenen Dörfern sogar die Volkstrachten und Feste.
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Der einfachste Weg, die «Semeiskije»-Kultur kennenzulernen, ist in ihrer «Hauptstadt», dem großen Dorf Tarbagatai, wo in der lokalen Kirche ein Museum über die alte Lebensweise untergebracht ist.
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Die Transsibirische Eisenbahn beginnt, sich am Baikalsee zu verzweigen — die direkte Strecke führt nach Wladiwostok auf dem Territorium Russlands, und nach Süden führen zwei Abzweige über Ulaanbaatar oder Harbin nach China. Jede Woche werden diese von Direktzügen zwischen Moskau und Beijing genutzt.
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