Straßen des Goldenen Ringes: von Moskau nach Wladimir auf dem Weg der sibirischen Verbannung

Von den vielen Straßen, die von Moskau abzweigen, führt die weiteste nach Osten. Jetzt heißt die Straße «Wolga», früher war es die Gorki-Chaussee (in die Stadt Gorki, wie Nischni Nowgorod zu Zeiten der UdSSR genannt wurde), und in der Geschichte — Wladimirskij Trakt. Dieser war seinerseits Teil des Sibirskij Traktes, der weitesten Straße auf der Welt, die Tausende von Kilometern bis nach China führte. Der Abschnitt dieser Straße von Moskau nach Wladimir ist ein Teil des berühmten Goldenen Ringes.

Hinter dem Baikalsee befanden sich die berüchtigten Nertschinski-Minen, der «zaristische GULAG», in den aus ganz Russland Menschen zur Zwangsarbeit verbannt wurden. Und es gab eine Menge anderer Orte in dieser Richtung «nicht so weit entfernt, aber schwer zu erreichen» (der russische Euphemismus des Gefängnisses). Über den Wladimirskij Trakt zogen die Verbrecher und Revolutionäre nach Osten. Aus Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln zu dieser Zeit — gingen sie zu Fuß, bei Frost und durch Schneematsch, mit schweren Fesseln an den Füßen. Es gab Durchgangsgefängnisse mit Bädern und Krankenhäusern an der Straße, aber der Weg nach Nertschinsk dauerte etwa ein Jahr, und nicht alle schafften es, ihn zu bewältigen. Im russischen Bewusstsein blieb die Wladimirka als Weg ins Gefängnis oder die Verbannung.

Heute erinnert daran nur noch wenig. In einigen Dörfern gibt es Fragmente von alten Brücken, aber sie sind nicht leicht zu finden. Das riesige Balaschicha in der Nähe von Moskau ist den Bewohnern der Hauptstadt vor allem für seine Staus bekannt. Am Bahnhof der Stadt Schelesnodoroschny (damals Obiralowka) schloss Anna Karenina mit ihrem Leben ab. Jenseits der Straßenränder kann man die im Moskauer Gebiet üblichen Kirchen und Gutshöfe aus dem XVIII. und XIX. Jahrhundert und alte Hütten mit feiner Schnitzerei als Fensterverzierungen sehen.
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Der östliche Teil der Moskauer Region ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Russlands. In der Vergangenheit war es jedoch der Rand dichter Wälder, wo sich die Altgläubigen vor dem Kirchenschisma des XVII. Jahrhunderts versteckten. Die Autonomie der Wirtschaft, gegenseitige Unterstützung und Nüchternheit trugen zur Entwicklung von Handel und Handwerk in ihren Dörfern bei. Im XIX. Jahrhundert, mit dem Aufkommen der Eisenbahn, begannen wohlhabende Bauern mit dem Bau von Textilfabriken. Viele Fabrikanten «aus dem Volk» sind, nachdem sie reich wurden, als Mäzene und Förderer der russischen Kunst in die Geschichte eingegangen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden die meisten Fabriken stillgelegt, aber ihre Werkstätten aus rotem Backstein und die Arbeiterbaracken, Wassertürme und Rohrleitungen stehen noch immer. Ebenso wie avantgardistische sowjetische Denkmäler der 1920er Jahre, die an die Teilnahme der lokalen Arbeiterschaft an der Revolution erinnern. Die besten Exemplare ehemaliger russischer Produktionsstätten sind in den Städten Orechowo-Sujewo, Noginsk (hier steht das älteste Lenin-Denkmal der Welt), Dresna, Lakinsk und Sobinka und anderen erhalten geblieben.
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Außerhalb der Region Wladimir liegt ein Band, das den Russen als «101. Kilometer» bekannt ist. Zu Sowjetzeiten war es verurteilten Kriminellen nach Verbüßung ihrer Strafe verboten, sich in der Region Moskau und generell näher als 100 Kilometer an der Hauptstadt anzusiedeln. So gab es in den kleinen Städten jenseits des 101. Kilometers eine besondere Welt von Kriminellen und Dissidenten, in der ein Dieb und ein in Ungnade gefallener Professor an einem Tisch Wodka trinken konnten. Die lokalen Sitten wurden vom Schriftsteller Wenedikt Jerofejew in seiner Geschichte «Moskau-Petuschki» (dt. "Die Reise nach Petuschki) bunt beschrieben, und die Stadt Petuschki (übersetzt: Hähne) existiert wirklich. An seinem Bahnhof steht noch immer sein Wahrzeichen — der Hyperboloid-Turm, der Anfang des XX. Jahrhunderts vom Erfinder dieser Konstruktion, dem Ingenieur Wladimir Schuchow erbaut wurde.
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Ein weiterer Spitzname dieser Strecke ist Pekinka: genauso wie früher kann man auf ihr bis an das Ufer des Pazifiks gelangen, oder nach China. Die erschreckende Fülle von Schwerverkehr erinnert daran, wie weit diese Straße führt.

Das raue Aussehen und die düstere Geschichte der Strecke wird in keinster Weise mit der Schönheit des Goldenen Ringes in Verbindung gebracht. Immerhin konnte man in das alte Wladimir und Susdal über die parallel verlaufende Stromynskaja-Straße gelangen, der heutigen Schtschelkowskoje-Chaussee, die bei starkem Verkehrsaufkommen einer Alternativverbindung der Wladimirka wird. Aber ihr Name geht genau auf Wladimir zurück, wohin die Straße in hundertfünfzig Kilometer von Moskau führt.
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