Südlicher Altai-Ring: Gorno-Altaisk und Tschemal

Der Flughafen Gorno-Altaisk ist der günstigste Ausgangspunkt für eine Reise entlang des Altai-Rings. Der lange Umbau des Flughafens wurde 2011 zur großen Freude der Bewohner abgeschlossen. Jetzt ist es möglich, den Altai mit einem Direktflug von Moskau aus zu erreichen. Alternativ kann man mit dem Flugzeug oder Zug nach Barnaul oder Nowosibirsk reisen, aber das kostet zusätzlich einen halben Tag mit dem Auto.
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In der einzigartigen Hauptstadt des Altai, Gorno-Altaisk, leben nur 60.000 Menschen, und die Viertel bestehen größtenteils aus niedrigen Gebäuden die über verschiedene Täler und Schluchten verteilt sind. Es gibt hier keine bedeutende Industrie und auch keine Eisenbahn.
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Im Zentrum von Gorno-Altaisk fällt das moderne Gebäude des Nationalmuseums der Republik auf, das kürzlich mit finanzieller Unterstützung von Gazprom wieder aufgebaut wurde. Ich sah ein Museum von solcher Größe und schillernder Neuartigkeit in einer anderen russischen National-Republik — in Kalmückien. Dies ist der heikle Moment der Politik des föderalen Zentrums. Russland ist bestrebt, die nationalen Kulturen der Außenbezirke des großen Landes zu unterstützen. Dabei scheint das Altai-Museum keine eigenen Sammlungen mehr zu haben. Sein wichtigster Schatz jedoch ist der mumifizierte Körper einer Frau der Pasyryk-Kultur, genannt «Prinzessin des Ukok-Plateau», der 1993 gefunden wurde.
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Bei der Rückkehr zum Altai-Ring ist zu beachten, dass sich Gorno-Altaisk abseits des Tschuja Trakts befindet. Am Flughafen Gorno-Altaisk angekommen, dauert es eine halbe Stunde, um in die Stadt zu gelangen, aber es lohnt sich. Mit einem guten Reiseleiter wird das Museum eine ausgezeichnete theoretische Einführung in die Geographie und Ethnographie des Altai sein. In einem solchen Museum bleibe ich lange bei einer Reliefkarte stehen. Der Tschuja Trakt führt durch die Berge entlang der Täler der Flüsse Tschuja und Katun und durchquert dabei den Altai diagonal. Gut sichtbar ist das Tschuja-Becken, in der sich das Dorf Kosch-Agatsch befindet. Der Ulaganski Trakt überquert den Kurai-Kamm und steigt ins das Tschulyschman-Tal ab, und endet schließlich an dem schmalen blauen Streifen des Telezkoje — Bergsees, dann noch weitere 120 Kilometer zurück nach Gorno-Altaisk — das ist der gesamte Umriss des Altai-Rings.

Das Uimon-Becken sollte separat ausgewählt werden. Dies ist das Gebiet der Siedlung Ust-Koksa, wo Altgläubige leben. Es gibt auch ein kleines Museum, das der Expedition des Künstlers Nicholas Roerich gewidmet ist. Leider gehört das Gebiet zur Grenzzone, und es ist für ausländische Reisende unmöglich, ohne eine Sondergenehmigung hierher zu kommen. Die gleiche Regelung gilt für das Ukok Plateau.
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Ein Samowar mit Baranki als Symbol für den russischen Einfluss und die ersten russischen Siedlungen. Wie die Altaier sagen, brachten die Russen quadratischen Wohnraum und lehrten, wie man Gemüsegärten kultiviert.
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Neben den für die Taiga- und Steppengebiete Sibiriens typischen Tieren sind im Altai vor allem zwei aus der Roten Liste gefährdeter Arten zu nennen. Erstens ist es der sehr seltene Schneeleopard und eine große Art von Bergschafen, die die türkisch-sprachigen Völker Argali nennen.
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In den historischen Sälen wurde eine brandneue Büste von Kaiserin Elisabeth festlich eingezäunt. Während ihrer Regierungszeit, im Jahre 1756, wurde der Altai Teil des Russischen Reiches. Die Hauptgründe: der Zusammenbruch des letzten Khanats des großen mongolisch- nomadischen Staates der Dsungarei und die Gefahr eines Angriffs von China, wo die Qing-Dynastie herrschte.
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Das traditionelle Altai-Haus — ein konisches «Ail» bedeckt mit Birken- oder Lärchenrinde, ist in seiner modernen Form die Sommerresidenz für Altai-Familien und steht neben einem normalen quadratischen Haus.
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Sehr markante traditionelle Kopfbedeckungen sind verziert mit Pelz vom Fuchs, Luchs und sogar vom Sibirischen Moschustier. Der Umhang mit stark ausgeprägten Schultern heißt Tschegedek. Heute werden solche Trachten von den Altaiern zu großen Festtagen und wichtigen Ereignissen getragen. Es schien mir, dass das wichtigste von ihnen die Hochzeit ist.
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Frauentracht russischer Siedler, der Altgläubigen, die seit dem XVII. Jahrhundert das Uimon-Tal im Altai bewohnen.

Die Altgläubigen flohen vor der königlichen Macht, die Anhänger der vorreformatorischen Orthodoxie verfolgte. Zum Leben wählten die Altgläubigen die am schwierigsten zu erreichenden Orte. Das Uimon-Becken an der Grenze zu Kasachstan ist von Bergketten umgeben. Es gibt auch heute noch keine asphaltierte Straße zu diesem Ort. Im Russischen Reich wurde der soziale Status der Altgläubigen von Katharina der Großen mit dem der indigenen Bevölkerung gleichgesetzt. Die jungen Männer wurden nicht in die Armee eingezogen, die Bauern behielten ihre persönliche Freiheit, und die einzige Pflicht gegenüber dem Staat — die Abgabe der «Jassak»-Steuer — näherte sie noch mehr an die Altaier an.
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Die wertvollste Ausstellung des Nationalmuseums ist die berühmte «Prinzessin des Ukok-Plateau». Im Jahr 1993 machten Archäologen aus Nowosibirsk eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der jüngsten Zeit. Die Erhaltung des Fundes wurde durch den Permafrost auf dem Hochplateau in einer Höhe von mehr als 2000 Metern sichergestellt. Die «Prinzessin» lag in einem mit Eis gefüllten Holzkolben. Das Eis sorgte für die Unversehrtheit der Mumie selbst, der Seidenkleidung, von Filz und Wolle, und des Schmucks.
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Die Funde wurden zum Akademgorodok in Nowosibirsk gebracht und erst 2012 wurde die Prinzessin per Hubschrauber zu einem eigens dafür eingerichteten Aufbewahrungsort im Museum von Gorno-Altaisk transportiert. Nach wie vor ist die Prinzessin von schwierigen Diskussionen umgeben. Die indigene Bevölkerung glaubt, dass die Naturkatastrophen im Altai mit der Schändung des Grabhügels zusammenhängen und fordert die Bestattung der Prinzessin.

Wissenschaftler aus Akademgorodok bestehen auf der Notwendigkeit, die Ausgrabungen fortzusetzen, da sie aufgrund der globalen Erwärmung möglicherweise nicht überleben. In diesem Sinne erscheint die Entscheidung des Museums, das Grab nur einige Male im Monat nach dem Mondkalender zu öffnen, als ein geeigneter Kompromiss. Für Reisende bedeutet dies, dass die Mumie selbst so gut wie nie zu sehen ist.
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Im Museumsshop werden Heilbalsame verkauft, die auf dem Wirkstoff aus den Hörnern des Altai-Marals basieren. Die Maral-Zuchten, die Herstellung von volksmedizinischen Produkten und sogar die Rezeption von Heilbädern mit gekochten Hörnern werden im Altai traditionell entwickelt und sind bei Anhängern der alternativen Volksmedizin sehr beliebt.
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Von Gorno-Altaisk aus können Sie Ihre Reise auf zwei Wegen fortsetzen: auf der Tschoiskoje-Straße zum Telezkoje-See, aber normalerweise beendet diese Straße den Rundweg. Eine weitere Möglichkeit ist der Tschuja Trakt, von dem in der Nähe der Brücke über den Fluss Katun eine Straße zum Dorf Tschemal abgeht, dem Hauptzentrum des «komfortablen» Altai-Tourismus.
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Die wichtigste kulturelle Attraktion von Tschemal ist eine kleine felsige Insel im Fluss Katun. Der Name der Insel ist wie die gleichnamige Insel in Griechenland, auf der es ein großes orthodoxes Kloster gibt. Die Holzkapelle, die so malerisch im Dickicht der Insel versteckt ist, hat eher einen symbolischen Wert. Sie wurde im Jahr 2000 zur Erinnerung an die vorrevolutionäre Kapelle restauriert.
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Von der Insel Patmos aus kann man über den Pfad entlang des Katun bis zum Staudamm des Tschemalskaja Wasserkraftwerks gelangen. Ein kleines Kraftwerk von lokaler Bedeutung wurde 1935 von Gulag-Häftlingen gebaut, noch bevor die mächtigsten Dämme an den großen Flüssen Sibiriens gebaut wurden.
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Das Kraftwerk ist von allen Erscheinungsformen eines unprätentiösen Massentourismus umgeben: Porträts von Putin auf Magneten und Bettvorlegern, Altai-Honig, aus irgendeinem Grund grün, alle Arten von Amuletten und andere Dinge, die in China hergestellt werden.
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Wie ich bereits sagte, ist die Infrastruktur für einen komfortablen Tourismus in Tschemal und am Ufer des nahen Katun konzentriert. Hier gibt es die besten Hotels im Altai mit großen Badezimmern, Saunen und Schwimmbädern. Bis auf die großen Hotelanlagen sieht alles sehr chaotisch und leider extrem geschmacklos aus, und vor allem ist es so anders als der Altai, den ich kenne und liebe! Überall Werbung für Rafting auf dem Katun und heilende Geweih-Bäder.

So oft in den Reiseführern erwähnt, ist meiner Meinung nach Tschemal der uninteressanteste Teil des Altai. Der Altai ist vor allem für die Lebensweise der Ureinwohner und die erstaunliche Vielfalt der Landschaften interessant — von der Taiga bis zur Tundra, von Steppen bis zu blühenden Obstgärten am Telezkoje-See. Wie die Einheimischen sagen, beginnt der echte Altai hinter dem Sema-Pass. Er ist 150 Kilometer von der Stadt entfernt, entlang des Tschuja Trakts. Was Gorno-Altaisk betrifft, so ist es sicherlich mit seinem hervorragenden Nationalmuseum von Interesse. Die Region Tschemalski selbst ist für einen Halt in einem komfortablen Hotel am Katun vor Beginn der Rundreise oder am Ende der Reise vor dem Flug nach Moskau geeignet.
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