Auf dem alten Teil der Transsibirischen Eisenbahn: Galitsch, Soligalitsch und Tschuchloma

Der Norden der Kostroma-Region ist ein Gebiet mit eigener Lebensweise, abseits der Großstädte gelegen und unter Reisenden nicht sehr bekannt. Fast der gesamte Bereich nördlich von Kostroma ist von Wäldern bedeckt. Der Boden hier ist karg, der Sommer ist kurz. Ende des XIX. Jahrhunderts wurde diese Region «Frauen-Seite» genannt: Bis zur Hälfte der männlichen Bauern gingen schon als Jungen in die Großstädte zum arbeiten, vor allem in die Hauptstadt — Sankt Petersburg. Deshalb wurden sie auch «Piterschiki» genannt. Im Sommer arbeiteten die «Piterschiki» als Schreiner, Zimmerer und Maler, und im Winter kehrten sie in ihre Heimat zurück, wo Familien auf sie warteten. An dieser Situation hat sich heute nichts geändert: Viele Einwohner sind hier nur noch formell registriert und arbeiten in Moskau und anderen Städten, kommen in den Ferien und im Urlaub zu ihren Verwandten.
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Drei kleine Städte zeigen den Charakter dieser Orte. Der einfachste Weg führt nach Galitsch: Es liegt auf der Nordseite der Transsibirischen Eisenbahnlinie. Galitsch hat eine sehr reichhaltige Geschichte: Im XIII. Jahrhundert stand die Stadt in der Hierarchie der russischen Städte hinter Wladimir, Kiew und Nowgorod; im XV. Jahrhundert kämpften die Fürsten Galitschs mit den Moskauer Fürsten um das Recht auf die Großherrschaft, aber allmählich verlor die Stadt an politischem Gewicht, blieb von den Handelsrouten entfernt und wurde zur Kreisstadt der Provinz Kostroma. Die Stadtmauern von einer der Festungen, die noch heute das Stadtzentrum umgeben, sind aus den turbulenten Jahrhunderten erhalten geblieben.
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Galitsch ist an einem malerischen Ort gelegen. Von der Spitze des Baltschug-Berges aus (war in der Vergangenheit auch eine Festung) hat man einen herrlichen Panoramablick auf die Stadt und den riesigen Galitscher See. Galitsch war bekannt für seine zahlreichen Kirchen und Klöster. Vor der Revolution gab es in der Stadt 2 Klöster, 17 Kirchen und 5 Kapellen, und für 12 Einwohner der Stadt gab es einen Geistlichen. Heute sind der majestätische Dreifaltigkeits-Dom und die Kirche von Ribnaja Sloboda vom Baltschug aus deutlich zu erkennen.
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Ribnaja Sloboda ist eine abgelegene Siedlung am Ufer des Sees, in dem seit Generationen Fischer lebten. Das Gebiet des Sees wurde in Abschnitte unter den Artels aufgeteilt, die den Zustand der Ufer überwachten. Eine charakteristische Straße von Ribnaja Sloboda ist erhalten geblieben: auf der einen Seite von der Straße die Häuser, auf der anderen Seite — Gärten, die an dem See liegen; der Boden dieser Gärten, gedüngt mit Schlamm vom Grund des Sees, bescherte eine gute Gurkenernte. Die Stadt entwickelte sich auch in der Industrie, obwohl ihre Grundlage die Handarbeit war: Ende des XIX. Jahrhunderts gab es eine Pelzfabrik, eine Handschuhfabrik, mehrere Lederfabriken, Brauereien und Destillerien.
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Heute werden in Galitsch die in ganz Russland und in den Ländern Osteuropas bekannten Autokrane hergestellt. Es gibt eine große Geflügelfarm und eine Fabrik für den Bau von Holzhäusern auf Bestellung. Eine Sperrholzfabrik wird gebaut.

Bis Ende der 80er Jahre konnte man von Galitsch aus nur auf einer Schotterpiste oder mit dem Flugzeug nach Norden reisen. Bislang gibt es keine Gasversorgung. Deshalb existieren die kleinen Städte Tschuchloma und Soligalitsch (je 5-6 Tausend Einwohner, in Wirklichkeit noch weniger) wie in einer anderen Dimension: Es gibt keine Gebäude über 3 Etagen, die Menschen haben Gemüsegärten, heizen mit Holz und einige waschen sogar die Wäsche im Fluss. Viele Männer hier sind Jäger und Fischer. Auf den Straßen kann man handgemalte Schilder und Aushänge finden.
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Tschuchloma ist eine Stadt, die schon immer sehr provinziell war und von russischen Schriftstellern als Synonym für die Einöde erwähnt wurde. Es gab hier noch nie Industrie, und man kann leicht übersehen, dass man doch in einer Stadt ist, wenn man den zentralen Platz verlässt. An der Stelle der alten Festung befindet sich ein Park, und oberhalb des Tschuchloma-Sees befindet sich eine hölzerne Pergola mit Blick auf das Awraamijew Gorodezki-Kloster (das seit dem XIV. Jahrhundert besteht). Wenn Sie den zentralen Platz und den Park in anderthalb Stunden umrunden, können Sie von Tschuchloma aus über eine Waldstraße bis zum Terem im ehemaligen Dorf Astaschowo gelangen.
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Die nördlichste Stadt der Kostroma-Region mit dem melodischen Namen Soligalitsch liegt 48 km von Tschuchloma entfernt. Irgendwie ist Soligalitsch Moskau ähnlich: im Zentrum der Stadt — der Rote Platz, von dem die Hauptstraßen strahlenförmig abgehen, verbunden durch mehrere Straßenringe. Auf dem Platz befinden sich die letzten hölzernen Gewandhäuser in Russland, die ohne wesentliche Veränderungen geblieben sind. Vor der Revolution gab es 10 Kirchen im kleinen Soligalitsch, von denen die berühmteste die Roschdestwenski-Kathedrale mit einer hölzernen Ikonostase war.
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Einst reich durch Salzabbau, lebt Soligalitsch heute durch Holzfällerei und Kalkgewinnung recht bescheiden. Zu Beginn des XIX. Jahrhunderts wurde es unrentabel, hier Salz abzubauen, aber der unternehmungslustiger Kaufmann Wasilij Kokorew, der nach einer hochkonzentrierten Sole suchte, entdeckte Mineralwasser und gründete ein Hydrotherapiezentrum. Im Zentrum der Stadt befindet sich ein Sanatorium, das nach Alexander Borodin benannt ist — einem berühmten Komponisten (Oper «Prinz Igor») und Chemiker, der im Auftrag von Kokorew die heilenden Eigenschaften des lokalen Mineralwassers untersuchte.

Soligalitsch ist weit weg von den Großstädten und produziert sein eigenes Brot, Lebkuchen, Limonade, Milchprodukte, Filzstiefel (Walenki). Hier werden Walenki aus naturbelassener Wolle von Hand gefertigt und auf Wunsch des Käufers mit farbigen Mustern versehen. Die Walenki-Fabrik, die sich im ehemaligen Gefängnisgebäude befindet, bietet Führungen für Touristen an.
Die Schönheit des Nordens der Kostroma-Region liegt in der Harmonie der kleinen Städte, die sich mit der Natur verbinden, und in der Offenheit und Freundlichkeit der Einheimischen.
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